Wandern ist des Greenpeacers Lust

20 09 2009

Eins muss klar sein: Seit dem Roman Carlos Ruiz Savons „Im Schatten des Windes,“ will ich nach Barcelona. Genauer: ich will durch die Av del Tibidabo flanieren und mich dort für den Rest meines Lebens zur Ruhe setzen.

Nach dem Romandebüt verschwand die spanische Küstenstadt in meinen Registern der Reiseträume. Doch die Rettung ließ nicht lange auf sich warten. Woody Allen schuf einen meiner Lieblingsfilme: „Vicky, Christina Barcelona“ und es war wieder da, dieses

Barcelonedamussichhingefühl.


Mag sein, dass mein Barcelona Bild etwas literarisch verzehrt ist. Doch für mich ist Barcelona die „Stadt der verlorenen Bücher,“ der wunderschönen Frauen und Künstler. Ein Traum.

Bereits in Hamburg Immatrikuliert und einen Blick auf meinen Financ- und Managment-Stundenplan gewagt, beschloss ich, nochmal ganz schnell, zu verschwinden.

Wohin? – …!

Da ist mir Süddeutschland in die Quere gekommen und meine andere Leidenschaft: die Medienwelt.

Nicht nach Spanien wird es die nächste Woche gehen, sondern in Städtchen und Dörfer wie

Mutlangen, Spraitbach, Gschwend, Wildgarten, Rippersberg, Löffelstelzen, …

Die Greenpeace-Gruppe Marburg hat sich ein modernes Abenteuer vorgenommen. Mitten durch Deutschland geht es, vom Bodensee, wie Fotograf und Blogger Markus Mauthe beschrieben hat, bis hoch nach Kopenhagen zur Klimakonferenz. Zusammen mit den Klimaschutz-Stimmen aus ganz Deutschland. Wenigsten eine Woche, habe ich mir vorgenommen, Teil dieses Abenteuers zu sein.

Um die 30 Kilometer pro Tag wird es Berg auf wie Berg ab, von Dorf zu Dorf gehen. Nicht nur vorbei an Journalisten, Bürgermeistern und Menschen, sondern mit ihnen weiter. Mal als Person, mal als Meerjungfrau oder guter Wunsch.


View Larger Map

Vorgenommen habe ich mir nicht nur eine kleine Doku zu drehen, sonder auch Teaser-Material zu sammeln und Porträts dieser modernen Helden zu drehen.

Kameraausrüstung, von Lichtfilter bis Stativ, alles dabei. Was nichts anderes bedeutet als Gewicht. Gewicht, was geschleppt werden muss. Wie auch Klamotten, Essen und das eigene Gewicht.

Als begeistertet Wanderer mit dem modernsten SoftShell ausgerüstet kann es los gehen. Die Fußsorgen haben ich zu minimieren versucht, durch Alster-Runden in Wanderschuhen.

Ich weiß, dieser Wander-Optimismus kann sehr schnell vergehen. Arnika-Salbe, für kaputte Gelenke, Zinkpaste, sehr hilfreich bei wunden Stellen, sowie viele von diesen modernen hightech Blasenpflastern sind mit dabei.

Und Schokolade, massenhaft Schokolade.

Abendteuer und grüne Passion im Tausch gegen Schönheit und Kunst? Will mir das „Barcelona meiner Träume“ nicht zerstören (hässlicher Strand, Kriminelle. Penelopé Cruz und Scarlet Johanson wohnen eventuell auch wo anders).

Das wunderschöne und wanderbare Süddeutschland werde ich für dich auf Pixel bannen …





Road trip to Munich

19 09 2009

Gigantische Vorurteile gegen München. München – die deutsche Stadt, die nicht geht.

Zu 99 von 100 Städten habe ich keine Meinung. Dafür ist München aber viel zu wichtig.

Es gibt keine lange Geschichte, warum ich München nicht mochte, aber die Leute hatte ich als eingebildet, versnobt und abweisend abgespeichert. Die Stadt als kalt, kahl und kühl.

Gerade als ich mit diesem schweren Rucksack die Stadt nun doch besuche, ist Anstich auf den Wiesn. War aber eher lustig mit anzusehen, und irgendwie waren alle gut drauf (bin nicht auf den Theresienwiesen gewesen, U-Bahn hat gereicht).

Die Stadt war nett, hat meinen Kumpels an einem Tag je eine Wohnung spendiert und mir einen wunderschön sonnigen Spätsommertag.

Jetzt habe ich die Deutsche „da ziehe ich nie hin Stadt“ verloren.

Schade und irgendwie auch nicht. Denn eine Stadt, tief im Süden Deutschlands, die es sich zu besuchen lohnt, hat sehr viel für sich. Die Alpen sind nicht weit und auch Rom ist in erreichbarer Nähe.

Leider sind viele der Häuserfluchten wirklich schnurgerade, unbelebt und erschlagend bombastisch. Doch besucht man den Englischen Garten und

chillt am Gärtnerplatz,

zeigt die ausgeprägt grüne Seite Münchens ihre Schönheit.

Nur ist es einem neuerdings verwehrt, auf den Stufen des Theater den Nachmittag zu genießen. Sehr schade.

Auch die Museeumslandschaft lässt sich mit keiner anderen Stadt vergleichen. Neben der neuen Pinakothek hat nun auch noch die einstmals private Sammlung des Ehepaars Brandhorst die Pforten für die Gesellschaft geöffnet. Und dabei eine grandiose moderne Kunstsammlung an die Öffentlichkeit gespült.

Auch der Viktualienmarkt lässt einen nicht mehr aus seinen Fängen. Erst ein frisch gebackenes Baguette mit erlesenem Käse und dann so leckere Feigen, …

PS der Kaffee war grandios, und alles andere zählt ja sowieso nicht.





Hamburger Blogs

16 09 2009

Jedes mal, wenn ich in der Bloggosphäre rechercherieren will, dann interessieren mich natürlich vorallem die Hamburger Blogs. Da ich für mich eh eine Liste zusammenstellen will, die aktuell und nach Themen sortiert, alle Blogs von Hamburgern enthält, dachte ich, warum nicht gleich für alle?

Hier ist sie. Bitte schreibt mir, wenn ihr nicht aufgeführt seid, oder ihr von jemandem wisst, der hier noch hin muss. Auch wenn die Kategorie nicht stimmt, ihr hier nicht stehen wollt, … Nicht böse sein, wenn Du hier nicht stehst. Eine sehr spontane Liste!





Komm in die Gänge! Das Gängeviertel in Hamburg

14 09 2009

Epidemien, diverse Sanierung, die Cholera, Kriminalität und Arbeitslosigkeit hat das Gängeviertel schon überlebt. Es erzählt Hamburger Geschichte. Im Augenblick nicht nur Stadtgeschichte, sondern auch moderne Kunstgeschichte. Hamburger- aber auch internationale Künstler haben das Viertel erobert. und das ist wirklich erlebenswert!

Zusammen mit einem Freund habe ich mich diesem Sonntag in die tote Innenstadt gewagt. Schon als der Hamburger Blogger Kay über diese kleine Hamburger Kunst-Oase geschrieben hatte, dachte ich, da musst du mal vorbei! Ausschlagebend war jetzt der Freund, welcher von einer benachbarten Baustelle, eine Woche das Künstlerleben beobachtete (nichts vor 14Uhr) und mal schauen wollte, was die da eigentlich machen.

In teilweise muffigen, komplett sanierungsbedürftigen und einsturzgefährdeten Altbauten Galerien eröffnen!

Die künstlerische Richtung geht von sehr viel Streetart und Minimal

über sehenswerte Installationen

bis hin zu wirklich abgefahren Ideen. Wie dieser Fußboden aus Brot:

Nicht nur die Kunstwerke sind einen Besuch wert. Die Künstler bei der Arbeit zu beobachten ist interessant, mit ihnen über die Schwierigkeiten zu diskutieren, sich zu organisieren und Platz für jeden zu schaffen; Geld heranzuschaffen!

Sehr empfehlen kann ich die Führungen und zahlreichen Veranstaltungen, Vernissagen, Lesungen, Jamsessions, …

Vielleicht hast du dich schon gefragt wo das Problem ist? Nach jetzigem Stand sollen 80% dieser Hamburger-Geschichte plattgemacht werden, ohne an anderer Stelle Platz für die Kunst zu schaffen.

Um auf dem Stand zu bleiben einfach die Seite der Initiative besuchen.

Bewegte Eindrücke gibt es bei annigross und der Tagesschau

natürlich kann man auch Fan der Kunst-Oase werden

Wo ist dieses Viertel?

Lust auf eine Tour durchs Gängeviertel bekommen? Hat es dir auch so gut gefallen? Viel Spaß beim Entdecken!

bei der Recherche, was die Bloggosphäre über das Gängeviertel schreibt, bin ich auf folgende Blogs gestoßen:

Gängeviertel versus Subvision

mein liebes gängeviertel muckt auf

im gängeviertel

WIR SIND GEKOMMEN, UM ZU BLEIBEN / SUBVISION UND DAS GÄNGEVIERTEL

Gängeviertel

hamburg: Gängeviertel





Kissenschlacht statt Steine! Schanzenfest reloaded

13 09 2009

Komme gerade von einem absolut schönen, hotten und spaßigen Schanzenfest. Ja, hier steht es schwarz auf weiß!

(die Randalierer hatten nichts mir diesem Fest zu tun, weiß nicht, was die ab 01:00 da wollten)

Schon um 13 Uhr waren Massen an Menschen unterwegs. Jedem Alters, jeder Klasse und Geschlechts. Für alle war Musik am Start, keine kulinarische Richtung war außen vor gelassen, keiner kam hier nicht auf den Geschmack.

Der Flohmarkt hätte mich fast mit dem Victor Hugho belohnt, den ich seit zwei Wochen suche, doch die zwei Hamburger Originale hatten ihn eine Stunde zuvor verkauft. Damned!

So ein Straßenfest sucht wirklich seines gleichen. Schon um fünf haben wir zu tanzen angefangen. Erst im netten Flora-Park und dann an jeder Dj- Station, die es so gab.

So politisch wie das ganze grandiose Fest war aber auch die Mukke. So hieß es nicht in Deichkind-Manier:

„jippie jippie yeah!“

sodern

„yuppie, yuppy jeah!“

obwohl es ja darum geht, gerade die aus der Schanze fern zu halten. Und mit ihnen einhergehend Balzac, McDonalds &Co.

Politisch war auch der Aufruf, welcher über twitter die Runde machte: „Kissen statt Steine!“ (via @schanzenfest und http://wohininhamburg.wordpress.com)

Die Kissenschlacht hat für ausgelassene Freude vor der Flora gesorgt. Herrliche Idee – Danke!

Der andere politische Aspekt war eher unschön und hatte mir tief braunem Gedankengut zu tun. Die Rechten wollten das demokratische Versammlungsrecht nutzen um „Für Recht und Ordnung“ zu demonstrieren. Das Schanzenfest solle dauerhaft verhindert werden, so ihre Forderung. Da gab es keine andere Möglichkeit, als „Schanzenfest reloaded“ auszurufen.

Die 100 Nazis, die am Freitag angerückt sind, wurden von einem sehr breiten Bündnis aus 3500 Nazi-Gegner erwartet. Weitestgehend friedlich, bis beim Berliner Tor einige das Randalieren doch nicht sein lassen konnten.

Wie politisch und gleichzeitg spaßig und schön doch das Leben sein kann.

PS großen Dank an meine Begleiter heute. Hat sehr viel Spaß gebracht :-)





Los abrazos rotos – Zerrissene Umarmungen

4 09 2009

Vom Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Pedro Almodóvar kennen wir gute Filme. Im Besonderen, wenn er mit der wunderbaren Penelopé Cruz (u.a. Volver, Alles über meine Mutter) zusammenarbeitet.

Zerrissene Umarmungen

„Zerissene Umarmungen“ lässt einen in das Leben des Regisseurs Mateo Blanco eintauchen. Schildert seine stürmische Liebe zu der jungen Schauspielerin Lena (Penelopé Cruz) die mit dem von ihr besessenen und steinreichen Unternehmer Ernesto Martel (José Luis Gómez) leiert ist. Auf dessen Geld und auf Martels Liebe angewiesen zerreist sich Lena. Mittelpunkt zweier von Obsessionen geprägten Beziehungen.

Die Geschichte Lenas erfährt man aus den Erzählungen Harry Caines, wie Mateo Blanco nach seiner Erblindung als Drehbuchautor genannt werden will. Herry Caine lebt in sehr verworrenen Familienverhältnissen und nach dem Credo:

„jeder Film muss beendet werden.“

Mich hat nicht nur die exzellente Penelopé bezaubert, sondern auch die Kunst des Erzählens. Einen Regisseur erblinden zu lassen ist eine Huldigung an die Phantasie. Dagegen gleich zwei Filmeproduktionen in „Zerrissene Umarmungen“ unterzubringen ist nur eine von vielen Schachtelkonstruktionen. Neben der Länge und der mit ihr einhergehenden Überfrachtung des Films sind das auch die wenigen Mankos.

Von „Babel“ und „Brokeack Mountain“ ist die schildernde Kameraarbeit Rodrigo Prietos bekannt. Nicht nur die Bilder von Lanzerote begeistern, sonder auch das Zusammenspiel von Bild und Ton, welche nach der Erblindung Mateo Blancos nocheinmal deutlicher wird. So werden auch mal Schnitte wie ein Brücke im Abendlicht mit in den Film genommen, deren Zusammenhang man nicht versteht.

Wenn der Film noch läuft: reingehen, egal ob dir die Story zusagt. Allein wegen Penelopé Cruz.





poets on the beach

1 09 2009

Besser kann ich die Stimmung dort am Elbstrand, neben der Strandperle, nicht einfangen. Die Lyriker könnten es. Aber die lesen nur zweimal im Jahr an dieser exponierten Stelle und bringen Geschichten aus ganz Hamburg mit.

Zusammen mit einem Freund war ich mit der Fähre nach Finkenwerder rausgefahren. Den Tag über hatte es geregnet, und erst jetzt kam die Sonne raus. Die Stimmung passte sich mit jeder gefahrenen Meile mehr an eine Lesung an.

Am schönen Elbstrand entlang entspinnen sich so oder so Gedanken und Geschichten im Kopf eines jeden Fährgastes. Wer wohnt in diesen Villen, warum sitzt Sie da so allein, wo fährt dieser gigantische Ozeandampfer hin, …?

Den Regen erwähne ich, weil es ein Memme bei den Hamburg Lyrikern zu sein scheint. Die letzten Lesungen müssen ein wenig wässrig gewesen sein, denn dass sie wirklich lesen müssen, und von nirgends plötzlich Wasser kommt, konnten einige Lyriker nicht glauben.

„Am Altonaer Busbahnhof, Busteig 23 an der zweiten Säule, …“ dort würde seine Geschichte beginnen, stimmte uns der junge Lyriker Marque-Régnier Hübscher auf seine Geschichte ein.

Dann lieferte er uns eine Show, die ich nicht so schnell vergessen werde. Mit Witz und Charme trug er, frei sprechend, mehrere kleine Geschichten vor. Zum Schmunzeln, fast einen jeden von uns auf die Schippe nehmend, und sehr authentisch, dort am Strand. Schön, dass man so etwas erleben kann.

Eine Bionadekiste zum darauf sitzen, eine Kiste als Tisch. Darauf zwei Gläser Wein und ein wenig Käse. Dick eingewickelt in Decken saßen sie da, die Bewunderer der Hamburger Dichtung. Wir waren natürlich gar nicht ausgerüstet. Der Sand verschwand immer mehr in den Schuhen, ein besseres Sitzkissen als die Tasche hat es auch schon gegeben. Nur die Kälte war vergessen, als die Sonne wieder um die Wolkenecke kam und den Rücken wärmte.

Bei den Geschichten wurde einem auch immer wieder eine Brücke in eine andere Welt gebaut. Sei es in eine Borderline-Klinik, einem Buswartehäuschen oder zu einer vierköpfigen Familie nach Hause.

Ich hoffe, ich habe dir Lust gemacht nächstes Jahr am letzten Sonntag im Juli oder im August am Elbstrand vorbei zu kommen!

Gelesen haben unter anderem: Marque-Régnier Hübscher, Alexander Posch,  Tina Uebel, Johanna Wack

Weiter Infos gibt es beim writers romm





Inglourious Basterds

24 08 2009

„… weil wir, mein Süßer, einen Film drehen werden. Nur für die Nazis.“ und es beginnt die Abrechnung der jüdischen und ihrer Familie beraubten Shosanna Dreyfus, gespielt von Melanie Laurent.

Dies Motiv ist der Rote-Faden in Quentin Tarantinos Film. RACHE. Dies macht den ausgewöhnlich gut besetzen (Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz, Eli Roth, Michael Fassbender, und schlecht wie immer: Till Schweiger) und von Robert Richardson (verehre ich seit Kill Bill) gedrehten Film zu einem mittelalterlichen Spektakel. Zu einem ungewöhnlich sehenswerten.

Wie bildgewaltig Rache an den Nazis genommen wird, ist einen Besuch im Kino mehr als wert. Die Trailer und Medien verraten ja nur wenig.

Das es von Gewallt nur so strotzen würde und die Tartenino Stimmung über einen kommen würde, ist deutlich. Doch wie grandios die Abrechnung ist. Wie die Spannungskurve dies mehr als rechtfertigt und wie man aus diesem Film kommen kann, ohne ein schales Gefühl. Dafür muss man ihn selber sehen.

Wenn dir Kriegsfilme nicht gefallen, wer mit der Rache nichts anfangen kann und auch nicht auf ausgefeilte Dialoge steht, der muss in diesem Film, wegen dem „Judenjäger.“ Christoph Waltz spielt Hans Landa, einen Detektiv, dessen Aufgabe es ist Juden aufzuspüren. Und in seinem Job ist er gut – Judenjagen wie Schauspielen. Die Auszeichnung als bester Darsteller in Cannes deutete dies schon an. Diese Leistung hatte ich aber nicht erwartet.

Mit der Geschichtsverfälschung ist auch kein Problem. Die Gestallten und Konstellation der Geschichte sind wie für diesen Film geschaffen. Und in Deutschland mussten sogar aus dem „O“ in Inglourious Basterds“ das Hakenkreuz entfertn werden, wegen dem Verfassungsschutz.

Unbedingt reingehen!





a wall is a screen

22 08 2009

Ich sage mir immer wieder. „Du musst dir einen Newsletter mit abgefahrenen Hamburger Events abonnieren!“

Woran das scheitert, weiß ich nicht so genau. Womöglich an der allgemeinen Abneigung gegen Neuigkeiten verpackt in dieser Form.

Doch dem ist auch gar nicht so schlimm, denn der sozialen Interaktion verdanken wir den Schneeballeffekt. So ist sicher jemand im Freundeskreis, der schon von diesem oder jenem gehört hat.

Exakt so war es bei „a wall is a screen.“

Kurzfilme würden auf Häuserwänden gezeigt, immer nur ein paar, dann würde man weiterziehen.

Erst dachte ich, wir würden über Kurzfilme diskutieren und Architektur mit einbeziehen, freute mich auf interessierte Gespräche mit dem Sicherheitsdienst und der Polizei. Dachte wir beleben die zu dieser Tageszeit ausgesprochen tote Innenstadt.

Nicht ganz.

Los gings am Domplatz. Menschen warten. Sitzen auf dem Rasen verteilt, tuscheln noch, starren gebannt auf eine Mauer. Kino eben.

Ausgerüstete mit Beamer und Notebook sowie großen Boxen ging es durch die City, bis wir unser Film- und Abendfinale an einer Bank bei der Handelskammer genießen konnten. Ja, gelatscht sind wir ein Stück an diesem Abend. Und gestarrt haben wir.

Die kurzen Filmproduktionen orientierten sich am Thema war Konsum. Wo besser hätte dieses Thema in Szene gesetzt werden, als am Kiosk, auf Karstadt und an der Bank?

Die Filme waren von nichtsagend, über amüsant bis wirklich anregend und nachdenklich.

Mein Liebling unter den Kurzen nahm alles auf die Schippe, was Werbung mit uns macht.

Angefangen mit dem Pärchen-Im-Bett-Idyll ging es über das Bad zum Frühstück.

„Schatz, ich habe hier die Dr. Biest Zahnbürste, die ist so biegsam,“ worauf sie die Seife von Nivia für ihren außergewöhnlichen Schaum in den Himmel zu preisen beginnt.

Showdown: mit exzellenten Bohrmaschinen, Mixern und Sägen fangen sie an, sich zu zerstören. Als seien sie dem Druck nicht mehr gewachsen.

Ich musste an so manches Nutella Gespräch und Kettensägenfachgesimpel denken (ich esse das Schokoladenmus von Alnatura, und finde, es schmeckt genauso gut).

Schon beim Becker heute Morgen musste ich mich wundern, was ich nicht alles kaufe, um in das Idyll der Werbung zu passen. Oder gibt es letzteres gar nicht, und wir kaufen weil wir es brauchen? weil es genetisch? mathematisch? aus Erfahrung? am richtigsten erscheint? Wohl eher nicht.

Idyll macht aber auch glücklich. Bis das Nachdenken beginnt.

Heute Abend ist „a wall is a screen“ noch einmal. Andere Termine gibt es auf ihrer Website.

Wenn du Lust hast, dich ein bisschen nachdenklich zu stimmen, mit unbekannten anderen durch die leergefegte Innenstadt zu spazieren und gebannt auf die U-Bahn-Schachtwand zu starren – es macht Spaß.

Nicht vergessen: Popkorn und Cola mitnehmen ….






Espresso – Crema – Gaggia

19 08 2009

Der zweite Weltkrieg hatte noch nicht begonnen, Italien wurde regiert von dem Faschisten und Dikator Benito Mussolini. Es war das Jahr 1938 als die Espressokritiker zu Skeptikern wurden und eine der wichtigsten Entdeckungen der Moderne gemacht wurde: die Crema.

Sie schmückt seit her die Espresso-Tässchen und erfreut die Kaffeetrinker. Es war Achille Gaggia der die Idee, Wasser mit Druck durch Kaffeepulver zu pressen, patentieren ließ. Dieser Methode verdanken wir auch heute noch die Haube aus Kaffeeschaum.

Das Gerücht, die Crema entstehe durch das Beimischen chemische Zusätze, machte noch lange unter Kaffeetrinkern die Runde, bis die Hersteller ausdrücklich mit natürlichem Schaum warben:

„con crema naturale“

Warum ich heute über Gaggia und die Geschichte der Crema blogge? Das macht die Liebe zu gutem Espresso, von der meine Freunde natürlich wissen. So hat mich heute eine Freundin zum Kaffee eingeladen, die eine schöne „Gaggia Classic“ bestitzt. Eine soldide Siebträger Espressomaschine mit Bajonettverschluss. Mit welcher sie wirklich aromatischen Espresso zubereitete, mit einem Duft, bei dem mir das Aufstehen sicher nicht mehr schwerfallen würde. Gekrönt von einer braun marmorierten Crema – mhmh …

Die Espresso-Zubereitung habt ihr höchstwahrscheinlich schon tausendmal im Café beobachtet (wie ich auch, besser als Meditieren oder das selbe).

Mit dem Tamper wird dass Espressopulver in den Siebträger gedrückt. So wird verhindert, dass Kaffeepulver in der Brühkammer aufgewirbelt wird. Schwachen Espresso kann ja niemand gebrauchen.

Dann wird das ganze mit mittels Bajonettverschluss in den Halbautomaten eingesetzt und es kann los gehen. Durch das Regulieren der Brühzeit kann man auch zu diesem Zeitpunkt noch Einfluss auf den Geschmack des Espressos nehmen. Doch das muss genauso wie der Mahlgrad und die Kraft, mit welcher der Tamper eingesetzt wird, ausprobiert und nochmals ausprobiert werden. Auch bei jeder neuen Sorte kommt man um das Variiern nicht herum. Doch wie der Espresso schmeckte, glaube ich gerne, dass die Freundin lieber früher aufsteht, als mit einem schlechten Espresso bzw. Latte macchiato in den Tag zu starten.

Für viele gehört ja heute der Sirup, die Milch und der ganze Schaum fest zum Kaffee dazu. Mir können die getrost gestohlen bleiben (wahrscheinlich traue ich mich nur nicht). Das leckerste ist immer noch ein guter Espresso doppio.

Die nächste größere Anschaffung muss wohl eine halbautomatische Siebträgermaschine sein (ich will ja Einfluss auf den Geschmack nehmen können). Die „Gaggia classic“ macht wirklich exzellenten Espresso mit einer guten Crema. Der Milchschaum ist in Sekunden fertig, was ich so noch nie gesehen habe (da klappt doch immer irgendwas nicht). Die Macken, wie dass die Tassen ein wenig ungleich volllaufen und man schon Geschick braucht, um die „classic“ zu handhaben, verzeiht man ihr dann gerne. Wer exzellenten Espresso will muss halt Geschick haben.